TTN-Tagung: Wissenschaftliche Politikberatung ohne Rat? Der Ort der Ethik zwischen Wissenschaft und politischer Entscheidung

Datum: 
3. Juni 2013 - 14:30 - 4. Juni 2013 - 13:00
Ort: 
Evangelische Akademie Tutzing

Wissenschaftliche Politikberatung ist ein hochgradig ausdifferenziertes Unternehmen. Neben politischen Stiftungen, Wissenschaftsakademien und zahlreichen Ad-hoc-Kommissionen sind auch die Kirchen und andere zivilgesellschaftliche Akteure stark engagiert. Zugleich wächst der Umfang an Beratung als Folge des Entscheidungsdrucks.

 In dieser Situation herrscht zwar Konsens darüber, dass wissenschaftliche Expertise nicht an die Stelle politischer Entscheidungsprozesse treten kann. Aber immer dann, wenn wissenschaftliches Wissen in den Beratungsprozess eingebracht wird, hat dies zur Folge, dass das Wissen selbst Gegenstand politischer Auseinandersetzungen wird. Das zeigt sich regelmäßig etwa auf ökonomischen oder bioethischen Politikfeldern.

Politikberatung durch die Wissenschaft wird die Aufgabe zugeschrieben, vorausschauend tätig zu sein. Inwiefern ihre Prognostik dabei zuletzt wissenschaftlich begründet werden kann, ist gleichwohl umstritten. Hinzu kommt der politische Handlungsdruck, der eine Komplexitätsreduktion notwendig macht, dabei aber in Spannung zum Anspruch auf umfassende Expertise stehen kann. Auch innerhalb der Wissenschaft gibt es keine eindeutige Auffassung von der Aufgabe der Politikberatung. Die Bereitstellung von Wissen ist genauso wichtig wie die Abgrenzung zum (noch) nicht Gewussten. An deren Gelingen bemisst sich die gesellschaftliche Reputation wissenschaftlicher Politikberatung, die so zur „Gesellschaftsberatung“ wird.

Wie verhalten sich Sachfragen, Interessen und die Orientierung am Gemeinwohl zueinander, wenn wissenschaftliche Beratung auf politisches Handeln trifft? Wie wird im öffentlichen Diskurs unterschieden zwischen unumstrittenen Fakten und ethischen Empfehlungen? In der Tagung geht es um den Ort der Ethik in der wissenschaftlichen Beratung für politische Entscheidungsprozesse. Und es geht um die Frage, wie protestantische Kirchen und Theologen ihrem Selbstverständnis nach „Politik möglich machen“, ohne dabei selber Politik zu betreiben.

Das detaillierte Programm finden Sie hier als PDF-Datei: 
Programm zu "Wissenschaftliche Politikberatung ohne Rat?". Anmeldungen können Sie sich online.

Die Tagung findet im Rahmen der Reihe "Forum Ethik Interdisziplinär" und in Kooperation mit der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft FEST, Heidelberg und dem Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN) an der LMU München statt.

Eine kleine Änderung hat sich bezüglich der Reihenfolge der Vorträge am Montag, den 3. Juni ergeben. Anders als im PDF-Programm angegeben lautet die Reihenfolge wie folgt:
15:00 Uhr - Prof. Dr. Klaus Tanner
Uhr Ethik am Ort der Selbstreflexion von Wissenschaft
16:00 Uhr – PD Dr. Alexander Bogner
Wohin führt die Ethisierung von Technikkonflikten?
17:00 Uhr – Prof. Dr. Jörg Hacker
Über die "harten Fakten" hinaus: Ethische Implikationen der Politikberatung

AnhangGröße
Ethik und Politikberatung.pdf369.28 KB