Organspende

Unsicherheit und Zweifel

Angesichts der dialektischen Geist-Leib Einheit des Menschen wird die biologische Lebendigkeit der Organe als Rest von Lebendigkeit des Menschen wahrgenommen. Vor diesem Hintergrund werden immer wieder Zweifel am Hirntodkriterium formuliert. Dazu kommen manche Verunsicherungen, die durch skandalisierende Berichte über Interessen von Transplantationsmedizinern, Pharmaindustrie und über verbotenen Organhandel zustande kommen oder verstärkt werden.

Der ethische Konflikt

Der ethische Konflikt dreht sich v.a. aber um die Frage, ob unter den gegebenen kommunikativen Bedingungen die Entscheidungen pro oder contra Organspende in angemessener Weise gefällt werden können und fallen?

Das gilt in besonderer Weise für die Entscheidung, die Angehörige an Stelle eines potentiellen Organspenders treffen.

Die ethischen und kommunikativen Standards der Begleitung der Angehörigen vor und nach dieser schwierigen Entscheidung werden hinterfragt. Die Werbung von staatlichen Stellen und der Deutschen Stiftung Organtransplantation für Organspende wird von den Organspendegegnern als einseitig und beschönigend kritisiert.

Hirntod als Kriterium

1968 wurde von einer Adhoc-Kommission aus Theologen, Juristen und Medizinern der Harvard Medical School das Coma depasse bzw. der sog. Hirntod als Kriterium für die „für tot Erklärung“ eines Menschen definiert. Im Hintergrund stand die Tatsache, dass durch den Fortschritt der Intensivmedizin die künstliche Aufrechterhaltung der Atmung und des Kreislaufs trotz irreversiblen Ausfalls des Groß-, Klein- und Stammhirns möglich geworden war.

Nur wenn der Hirntod als Tod des Menschen zu verstehen war, konnte eine intensivmedizinische Weiterbehandlung eines Patienten mit schlagendem Herzen beendet werden. Der festgestellte Hirntod wurde dann im deutschen Transplantationsgesetz von 1997 auch als Mindestkriterium für die Entnahme von Organen festgeschrieben. Schon 1990 hatten die beiden christlichen Kirchen in einer gemeinsamen Erklärung festgestellt: Der Hirntod bedeutet wie der Herztod den Tod des Menschen.

Deutsches Transplantationsgesetz

Das deutsche Transplantationsgesetz von 1997 sieht die „erweiterte Zustimmungslösung“ vor. Das bedeutet, dass eine ausdrückliche Zustimmung erforderlich ist, damit einem hirntoten Menschen Organe entnommen werden können. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern wie z.B. in Österreich, wo eine Widerspruchsregelung gilt, ist man in Deutschland nicht automatisch Organspender, wenn man nicht ausdrücklich schriftlich widersprochen hat.

Organspendeausweise

Vielmehr soll hierzulande dem höchstpersönlichen Charakter dieser Entscheidung Rechnung getragen werden. Im Idealfall würden genug Menschen aufgrund einer wohl informierten und gut überlegten Entscheidung Organspendeausweise bei sich tragen. Liegt kein Organspendeausweis vor, ist im Gesetz die Möglichkeit vorgesehen, dass Angehörige an Stelle des potentiellen Organspenders diesen für die Organspende freigeben. Sie müssen im Arztgespräch entscheiden, ob ihr hirntotes Kind, ihr Ehemann, ihre Mutter Organspender werden soll. Die Bedingungen dieses Gespräches sind für beide Seiten denkbar schwierig.

Organspende und Kommunikation

Nicht selten stehen die Angehörigen selbst unter Schock. Die Ängste sind groß: Geht alles mit rechten Dingen zu? Wurde alles getan? Was wollte der Verunglückte selbst? Kann man so eine Entscheidung überhaupt für andere treffen?

Es stellt sich die Frage nach ethisch-kommunikativen Standards für das  Entscheidungsgespräch und die weitere begleitende Kommunikation.

TTN und Organspende

TTN untersucht in einem Forschungsprojekt zu ethischen und kommunikativen Aspekten des Angehörigengesprächs im Krankenhaus im Zusammenhang der Organentnahme die tatsächlichen Umstände und Schwierigkeiten dieser Entscheidungsgespräche und der weiteren Kommunikation.

Aktuelle Literatur

Jan P. Beckmann, Günter Kirste, Hans-Ludwig Schreiber, Organtransplantation. Medizinische, rechtliche und ethische Aspekte. Ethik in den Biowissenschaften – Sachstandsberichte des DRZE 7, Freiburg/München 2008.