Herwig Grimm am NieKE-Forum zu Tierhaltung und Ethik

Die ethische Verantwortung bei der Erzeugung und Vermarktung von Lebensmitteln, die vom Tier stammen, war das Thema des Forums praxisorientierte Agrar- und Ernährungswirtschaft, das am 25. März 2009 im Kreishaus Osnabrück stattfand. Eingeladen hatten die NieKE-Forschungsrunde und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Osnabrücker Land mbH.

Die hochkarätigen Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten mit dem interessierten Fachpublikum im vollbesetzten Sitzungssaal über den Tierschutz in der Nutztierhaltung. Einigkeit herrschte dahingehend, dass insgesamt noch ein hoher Forschungs- und Handlungsbedarf besteht und in manchen Bereichen wie z.B. der Züchtung ein Umdenken notwendig ist. Das Institut TTN war durch Mag. Herwig Grimm vertreten.

Im ersten Vortrag hob Herwig Grimm, Mitarbeiter am Institut für Technik, Theologie und Naturwissenschaften an der Universität München hervor, dass es nicht ausreiche, die Verantwortung für Tierschutz in der Nutztierhaltung allein bei den Nutztierhaltern zu suchen. Der ausgebildete Landwirt und Magister der Philosophie wies darauf hin, dass die Tierhalter in ihren Gestaltungsmöglichkeiten im Sinne des Tierschutzes durch Rahmenbedingungen begrenzt seien, wobei ihre Veränderung nicht oder nur teilweise in deren Macht liege.

Grimm verwies darauf, dass es andere Akteure wie Wissenschaftler, Veterinärmediziner, Interessensvertreter, Marketingfachleute und die Bürger gebe, die indirekt dazu beitragen könnten, Nutztierhalter in die Lage zu versetzen, Tiergerechtheit in der Praxis zu realisieren. Er betonte: „Sollen setzt ein Können voraus.“

Dies bedeute aber auch, so Grimm, dass der Nutztierhalter damit eine doppelte Verantwortung trage, da er einerseits seinen Tieren gegenüber moralisch verpflichtet bleibe und andererseits nun aber auch jenen verpflichtet sei, die ihm die Möglichkeiten und damit den Auftrag gegeben hätten, mehr im Sinne der Tiergerechtheit zu tun.

Eine doppelte Verantwortung liege aber auch bei den anderen relevanten Akteuren. Diese müssten sich für Rahmenbedingungen einsetzen, die dazu führen, dass Nutztierhalter nicht unmoralisch handeln müssen und ihrer Verantwortung für Tierschutz gerecht werden können.



v.l.: Prof. H. Van den Weghe (Universität Göttingen), Prof. J. Hartung (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover), Prof. H.-W. Windhorst (ISPA, Hochschule Vechta), Dr. M.-L. Blaha (NieKE), R. Marggraf (EDEKA Minden-Hannover), Dr. H. Giesen (Westfl eisch eG), Prof. T. Blaha (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Außenstelle Bakum), Prof. J. Luy (Freie Universität Berlin), H. Grimm (Universität München). Foto: NieKE

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