Einladung zu "Bioethik im Diskurs" - Tagung an der Evangelischen Akademie in Tutzing

Datum: 
24. November 2014 - 9:30 - 25. November 2014 - 15:15
Ort: 
Evangelische Akademie Tutzing

Biotechnologische Forschung und Entwicklung haben in den vergangenen Jahren unsere Vorstellungen vom Leben und seiner Gestaltbarkeit verändert. Ankündigungen von Forschern, die Lebenszeit von Menschen verzehnfachen zu können, lassen sich nicht mehr einfach in den Bereich der Science-Fiction verweisen. In der Verbindung von biologischer Forschung und Ingenieurwissenschaft werden die Unterscheidungen Natur/Kultur bzw. Natur/Technik immer unschärfer. So lässt die speziell zu Forschungszwecken gezüchtete Onkogenmaus technisch hergestellte Natur möglich erscheinen. Gegenwärtige technische Eingriffsmöglichkeiten in die Natur, wie sie beispielsweise die Stammzellforschung in der Re- und Umprogrammierung von Körperzellen unter Beweis stellt, sind von einer nie zuvor gekannten Tiefe und Reichweite. Eine Grenze für deren Entwicklungspotenzial ist technologisch nicht in Sicht.

Der ›technologische Imperativ‹ (Edward Teller) sagt: Was technisch verstanden und machbar ist, muss getan werden! Die Ethik hält dagegen: Es geht nicht allein um Machbarkeit, sondern auch um Verantwortbarkeit. In ihrer Vielgestaltigkeit als Begleitforschung, Politikberaterin, philosophische oder theologische Teildisziplin hat Ethik verschiedenste Aufgaben zu erfüllen. Welche sind dies genau und mit welchen Mitteln lassen sie sich bewältigen? Welcher Methoden bedient sie sich dabei und mit welchen Mitteln wird sie ihrer eigenen Verantwortung gerecht?

Gesellschaftliche Diskurse weisen in der Einschätzung der Lebenswissenschaften und biotechnologischen Neuerungen große Ambivalenz auf: Einerseits hohe Erwartungen an die Wissenschaft; Fortschritte in der medizinischen Diagnose und Therapie, in der Nahrungsmittel- und Energieversorgung sind erwünscht. Andererseits erwecken ebendiese Fortschritte die Befürchtung, dass der Mensch sich selbst und seine Umwelt verlieren oder irreparabel zu seinem und ihrem Schaden verändern könnte.

Die Tagung versucht anhand ausgewählter biotechnologischer Entwicklungen den Stand der bioethischen Diskussion in Philosophie, Theologie und Gesellschaft zu erheben. Im Mittelpunkt steht die Frage nach ihrem Wechselverhältnis und der Orientierungskraft, die aus einer Selbstreflexion unseres Umgangs mit bioethischen Fragestellungen erwachsen kann.


Pfr. Frank Kittelberger, Tutzing
Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich H.J. Körtner, Wien
PD Dr. theol. habil. Arne Manzeschke, München

 

Programm:

Montag, 24.11.2014

9:30 Anreise, Kaffee und Brezen
10:00 Begrüßung
Pfr. Frank Kittelberger
 

Einführung in die Tagung
PD Dr. Arne Manzeschke

  I. Perinatale Diagnostik - ein Diskurs im Wandel
10:30 Dialog-Vortrag
  Zum Stand der medizinischen Diskussion - Erwartungen an die Ethik
PD Dr.Tanja Krones
  Zum Stand der ethisch-moralischen Diskussion
  Erwartungen an die Medizin
Dr. theol. Michael Coors
  anschließend Diskussion
  Moderation:
PD Dr. Arne Manzeschke
12:30

Mittagessen

  II. Synthetische Biologie - ein Diskurs der Vergangenheit?
14:00 Schöpfer Mensch? Playing God?
Prof. Dr. Ulrich Körtner
  anschließend Diskussion
15:30

Kaffeepause

  III. Humanstammzellenforschung und Forschungsklonen - ein Diskurs beginnt!
16:00 Was ist geplant - was erwartet uns?
Prof. Dr. Jürgen Winkler
16:30 Molekularbiologische Einblicke
Team Prof. Winkler
  anschließend Diskussion
  Moderation:
PD Dr. Arne Manzeschke
17:30 Eingebettete Ethische Begleitforschung
PD Dr. Arne Manzeschke
  anschließend Diskussion
  Moderation:
Pfr. Frank Kittelberger
18:15 Abendessen
19:30 Haben reprogrammierte Stammzellen einen moralischen Wert?
Dr. Julia Inthorn
  anschließend Diskussion
  Moderation:
Prof. Dr. Ulrich Körtner
21:00 Gespräche in den Salons des Schlosses
 
Dienstag, 25.11.2014

8:00 Andacht in der Schlosskapelle
9:00 Humanstammzellen - Foren
Gruppenmoderationen:
  Tagungsteam & Team Professor Winkler
10:00 Plenum mit Kurzberichten und Nachfragen
Moderation:
PD Dr. Arne Manzeschke
10:30

Kaffeepause

  IV: Bioethik - ein Metadiskurs
11:00 "God Committees", "Wunder" und ethische Beratung
Zur Entwicklung der Bioethik im öffentlichen Diskurs
Prof. Dr. Andreas Frewer
  anschließend Diskussion
  Moderation:
Prof. Dr. Ulrich Körtner
12:30 Mittagessen
14:00 Forschungsrezeption und Deutungskategorien - der bio-Ethik-Diskurs und seine Bedingungen
Kurzimpulse - Podium - Plenum
  Dr. theol. Michael Coors
  Prof. Dr. Andreas Frewer
  Prof. Dr. Ulrich Körtner
  Moderation:
PD Dr. Arne Manzeschke
15:15 Tagungsabschluss
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